Meistens ist das ja etwas tragisch mit den Großen im Sport: Den richtigen Zeitpunkt zum Abgang verpassen sie oft. Wenn wir da beispielsweise an den Schumi erinnern dürfen, der jetzt nicht mal mehr im eigenen Team die Nummer eins ist. Oder, noch viel schlimmer, an eine Gestalt wie das Ailton, der mal einer der populärsten Kicker im Lande und Torschützenkönig zudem war. Und der jetzt vermutlich immer noch irgendwo kickt, keiner weiß wo, weil es nicht wichtig ist. Es gibt nur ganz wenige, Steffi Graf war so eine, die akzeptieren, dass die Zeit vorbei ist und nicht wiederkommt.
Als neuestes Mitglied in der Galerie der Uneinsichtigen begrüßen wir nunmehr Otto Rehhagel. Einen Trainer, dem man auf dem Zenit seines Könnens nachsagte, Wunderdinge vollbringen zu können. Otto hätte die Wüste zum Blühen und die Pole zum Schmelzen gebracht. Wer mit Lautern Meister und mit Griechenland Europameister wird, der schafft auch sowas. Mühelos. Hätte Otto nach der EM 2004 aufgehört, er wäre im Legendenstatus vermutlich gleich nach Franz Beckenbauer gekommen (der wenigstens wusste, wann es Zeit wird, als Trainer aufzuhören, für seine Redelaune gilt das ja leider nicht).
Rehhagel wollte dagegen noch mehr und noch mehr; wen sie in Griechenland Rehakles nennen, der muss verdammt nah am Götterstatus sein, dachte er sich wohl (da wusste er einiges anderes über Griechenland vermutlich noch nicht). Und dass es dann doch wohl ein leichtes sei müsse, mal eben diese komische Hertha aus Berlin zu retten, einfacher jedenfalls, als einen Flughafen pünktlich in Betrieb zu nehmen. Noch ist es natürlich etwas zu früh, die Hertha mal wieder aus der 1. Liga zu verabschieden, aber trotzdem ist sicher: Selten hat ein Trainer unfreiwillig gezeigt, wie sehr die Zeit über ihn hinweg gegangen ist. Rehhagel hat der Mannschaft nicht einen Impuls gegeben, die Truppe wirkte noch blutleerer als sie ohnehin schon ist. Von moderner Taktik oder sonst irgendeiner stringenten Idee nichts zu sehen, Rehhagel bediente seine hinlänglich bekannten Plattitüden und verließ sich ansonsten vermutlich darauf, dass alleine sein Name und seine Anwesenheit irgendwas bewirken würden. Das war, wie man inzwischen weiß, nicht der Fall; niemand erstarrt mehr vor Ehrfurcht, wenn Rehhagel kommt. Dazu kommt: Der modernste aller Trainer war Rehhagel noch nie, im Gegenteil. Moderne war ihm immer suspekt, immer ein Graus. Stattdessen verfolgte er die einfache Philosophie, dass immer der Recht hat, der gewinnt. Und weil Rehhagel im Laufe seiner Trainerkarriere oft gewann, hatte er aus seiner Sicht auch meistens recht. Die vielen Pleiten seiner Laufbahn wurden angesichts dessen ausgeblendet, von ihm wie auch vom Publikum.
Jetzt geht Rehhagel, er hinterlässt aller Wahrscheinlichkeit nach eine abgestiegene und in Trümmern liegende Hertha. Auch das wird er sich selbst am wenigsten anrechnen. Den Blick auf seine Trainerkarriere könnte aber dieses bittere Ende ernsthaft verändern.

